Wenn alle schlafen und einer spricht, dann nennt man das den Unterricht. Warum eigentlich?

Wer kennt das nicht? Wir wissen ganz genau, dass die Fakten, die uns gerade näher gebracht werden absolut relevant sind. Vielleicht sind wir auch auf einem Seminar und könnten das neu gelernte in der Praxis wirklich gut brauchen.

Warum fliegt uns nun manchmal das Wissen nur so zu und warum müssen wir manchmal regelrecht kämpfen um aufmerksam zuhören zu können?

Und warum hören uns eigentlich die Leute bei belanglosen Geschichten aus dem Alltag zu und bei Themen, die uns wichtig sind, müssen wir dafür sorgen, dass die Aufmerksamkeit bei uns bleibt?

Schauen wir uns doch einmal an, woran das liegt und wie wir das ändern können.

Verstehen, wie Information transportiert wird

Die meisten Redner packen schöne Pakete, die dann dem Zuhörer überbracht werden sollen.

Sieht dass  genial und informativ aus?

Sieht dass  genial und informativ aus?

Gerade im akademischen Bereich glauben viele, dass Professionalität dadurch gezeigt wird, dass man das Publikum mit Fakten überschüttet.

Oder, um beim aktuellen Bild zu bleiben: Mit Paketen bewirft, bis keiner mehr steht.

Davon hat aber am Ende keiner etwas. Der Vortragende hastet durch das Thema und schaut in die toten Augen des Publikums. Die Zuhörer hingegen haben die Uhr im Fokus. Dabei werden weder Ideen noch Wissen ordentlich vermittelt. Jeder der schon einmal vor einer Powerpoint-Präsentation mit 60 Folien und 20 Diagrammen saß, weiß ganz genau wovon ich rede.

Wie bekommen wir also unsere Pakete gut ausgeliefert? Indem wir uns ein ordentliches Transportmittel holen und auch an der Verpackung arbeiten.

Sieht doch schon etwas besser aus. Doch unser Pickup sieht ein wenig überladen aus. Das ist auch das Schicksal vieler Präsentationen und eine Faktenflut wird auch nicht besser, wenn zwischendurch mal ein Witz erzählt wird. Also nehmen wir Gewicht aus dem Laderaum. So sind wir auch gleich flexibler unterwegs und fahren auch schneller ans Ziel.

Ein guter Redner wählt das richtige Tranportmittel zum Ausliefern von Informationen. Für manche Themen braucht er einen Schwertransporter, andere packt er in den Sportwagen. Aber er wird nie seinen Zuhörer alles selbst tragen lassen.

Den Truck tunen

Geschichten (Storytelling)

Menschen lieben Geschichten. Nicht umsonst bauen alle großen Religionen auf einer Geschichte auf. Mir ist zumindest kein Glaube bekannt, dessen heilige Schrift eine stichpunktartige Faktensammlung ist.

In dem Moment, wenn es die Möglichkeit gibt, etwas in eine noch so kleine Geschichte zu verpacken, sollte dies auch getan werden. Dabei muss man als Redner nicht jede dieser Storys selbst erlebt haben. Auch Geschichten, die wir gehört haben oder die Bekannten passiert sind, wirken fast genauso stark wie eigene Erlebnisse.

Humor

Dir fällt irgendein witziger Gedanke zum Thema ein? Schreibe ihn auf und schau, ob du das einbauen kannst. Auch wenn es vielleicht zuerst seltsam erscheint: Im schlimmsten Falle wird der Witz überhört. Wegen eines schlechten Witzes bin ich bisher noch aus keinem Seminar geflogen.

Und wenn auch nur zwei von zehn der eingestreuten Kommentare für Lacher sorgen: Wir haben alle lieber ein lachendes, als ein weinendes Publikum.

Lass dich während des Sprechens einfach von deiner Intuition leiten. Wenn es sich falsch anfühlt, diesen Witz einzubringen, dann lässt du ihn einfach weg.

Einbeziehen der Zuhörer

Wenn man bekannte Redner anschaut, merkt man dass diese immer wieder in Interaktion mit dem Publikum gehen. Das kann durch eine einfache Frage sein, auf die man sich dann mit Ja oder Nein melden soll. Doch auch die Einbindung einzelner Zuhörer in die Präsentation sind möglich.

Der Kreativität sind in dieser Hinsicht keine Grenzen gesetzt. Mindestens einmal pro 5 Minuten Redezeit sollte in irgendeiner Form das Publikum mit ins Boot geholt werden.

Bilder

Anstatt des Beispiels mit dem Pickup hätte ich den Artikel auch in Blocktext schreiben können und das ganze mit Fachbegriffen aus der Psychologie fluten können.Der Mensch denkt aber in Bildern und nicht in Texten. Wenn du dir ein Haus vorstellst siehst du ja auch nicht die Buchstaben H A U S vor deinem geistigen Auge.

Die optimale Verpackung für die „Ware“

Fakten zusammendampfen

Wenn ein guter Redner 30 Minuten sprechen soll, bereitet er Material für 60 Minuten vor. Davon werden aber maximal 15 Minuten Material eingesetzt. Der Rest ist Verpackung.

Was ausgewählt wird, sollte live entschieden werden. Denn jedes Publikum ist anders. Es wäre allerdings fatal, in diesem Fall exakt 30 Minuten vorzubereiten und dann stellt sich heraus, dass nur für 20 Minuten Anwendbares dabei ist. Denn was soll man dann die letzten zehn Minuten machen?  Improvisieren ist auf jeden Fall selten eine gute Idee.

Statistiken und Diagramme selektiv einsetzen

Dass der Mensch in Bildern denkt, wissen wir bereits.  Diagramme sind also tatsächlich eine sehr gute Variante um Zahlenmaterial anschaulich darzustellen. Geschickte Designer können so auch das Publikum in eine bestimmte Richtung lenken. Gerd Bosbach hat mit dem Buch „Lügen mit Zahlen“ einige interessante Möglichkeiten zur Meinungsbildung aufgezeigt.

Wie mit allem anderen, darf man es aber nicht übertreiben. Denn zu viele Diagramme lassen jede Präsentation schnell trocken wirken. Auf einer Party sagt ja auch keiner „ Hey ich will jetzt für gute Stimmung sorgen, ich zeige euch meine Diagramme.”

Jeden Fakt mit einem konkreten Nutzen verknüpfen

In unserem Gehirn befindet sich der älteste Spam-Filter der Welt. Er ist dauerhaft aktiv und schützt uns vor Überlastung. Alles, was für uns weder nützlich noch unterhaltsam ist hat daher keine Chance bei uns einen Platz im Gedächtnis zu erhalten. Deswegen sollte auch jedes Informationshäppchen so gekennzeichnet sein, dass die Spam-Filter deiner Zuhörer gar nicht erst anspringen.

Um Wissen, Emotionen oder Informationen zu transportieren brauchen wir also kein Hochschuldiplom. Das Wichtigste ist, dass wir uns darüber Gedanken machen, wie das, was wir absenden bestmöglich ankommt. Wähle lieber das falsche Transportmittel, als einfach nur Pakete zur Selbstabholung bereitzustellen. Mit der Zeit gewinnt man dann auch ein Gefühl, welches das richtige Vehikel ist.

Wenn alle schlafen und einer spricht, dann nennt man das den Unterricht. Warum eigentlich?

Wer kennt das nicht? Wir wissen ganz genau, dass die Fakten, die uns gerade näher gebracht werden absolut relevant sind. Vielleicht sind wir auch auf einem Seminar und könnten das neu gelernte in der Praxis wirklich gut brauchen.

Warum fliegt uns nun manchmal das Wissen nur so zu und warum müssen wir manchmal regelrecht kämpfen um aufmerksam zuhören zu können?

Und warum hören uns eigentlich die Leute bei belanglosen Geschichten aus dem Alltag zu und bei Themen, die uns wichtig sind, müssen wir dafür sorgen, dass die Aufmerksamkeit bei uns bleibt?

Schauen wir uns doch einmal an, woran das liegt und wie wir das ändern können.