Selbstversuch: Lernen im Schlaf – Geheimtipp oder Zeitverschwendung?

Im Schlaf intuitiv und ganz bequem nebenher lernen, indem man einfach nur die richtige Datei auf dem Smartphone abspielt. Klingt erst einmal traumhaft. Doch wenn es tatsächlich so einfach funktioniert, frage ich mich, warum dieses Konzept in der Pädagogik noch keine Rolle spielt.

Zwei Ursachen sind da möglich. Entweder ist es wieder ein konsequent ignoriertes aber funktionierendes Konzept. Das wäre sicherlich nicht neu, immerhin basieren die deutschen Schulen bis heute auf preussischen Militärakademien, aus der Zeit als noch eine 18 vor der Jahreszahl stand.
Aber es gibt auch eine andere Möglichkeit:  Das ganze ist einfach nur ein Werbegag von dubiosen Anbietern, die angeblich didaktisch hochwertige Hörbücher zu Spitzenpreisen verticken wollen.

Da die Vorstellung aber zu interessant ist, um das Ganze nicht zu testen habe ich einige Studien gewälzt und auch einen Selbstversuch gewagt.

Kann man wirklich nebenbei im Schlaf etwas Neues lernen? Für die Ungeduldigen unter euch: Nein, es klappt nicht!

Glaube keiner Studie, die du nicht selbst…. ach ne, das war anders

Da haben wir einmal eine Studie aus dem Jahr 2014 von den Universitäten Freiburg und Zürich. Dort wurden den Probanden im Schlaflabor holländische Vokabeln vorgespielt, danach gab es einen Test ob das Ganze zu einem Lerneffekt führt.

Bei neuen Vokabeln hat das Ganze nichts gebracht. Vokabeln, die die Testpersonen vorher schon kannten, wurden aber nach dieser Studie so scheinbar nochmal gefestigt und waren leichter abrufbar. Das hatte allerdings nur geklappt, wenn man ausschließlich die holländischen Wörter vorgespielt hat. Wenn die deutsche Übersetzung direkt hinterher gesagt wurde, scheint der Lerneffekt blockiert worden zu sein.

Doch auch bei einer scheinbar erfolgreichen Lernsteigerung, reden wir hier von einer verbesserten Quote von gerade mal 10%. Ob die jetzt nur auf das Lernen im Schlaf zurückzuführen ist, ist fraglich.

Im Selbstversuch mit verschiedenen Arten von Hörbüchern und (seriösen) Sprachlernprogrammen komme ich da auf dasselbe Ergebnis: Das was im wachen Zustand gehört wurde ist noch einwandfrei abrufbar, aber alles was im Schlaf aus der Box dudelt, kommt nicht im Gehirn an.

Lernen im Schlaf? Machen wir doch eh schon!

Was schon seit lange wissenschaftlich erwiesen ist, ist das der Schlaf eine Verarbeitungsphase für unser am Tag gesammeltes Wissen ist. Jeder der schon einmal eine Nacht mit wenig Schlaf hinter sich hatte, weiß ganz genau, dass die Merkquote da richtig bescheiden wird.

Tagsüber laden wir wissen in unseren Zwischenspeicher (der Computerfreund sagt RAM) und nachts wird während des Schlaf selektiert, was langfristiger abgespeichert wird. (was also auf die Festplatte kommt)


Erwiesen ist außerdem, dass Wissen nach einer guten Mütze Schlaf viel einfacher verständlich und auch aufrufbar ist, als wenn man das neu gelernte direkt am gleichen Tag anwenden möchte. (Versuch der Universität in Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften / Leipzig)

Verschiedene andere Studien aus England, darunter eine aus Birmingham kommen da immer wieder zum gleichen Schluss.

Lernen ohne ausreichend Schlaf funktioniert nicht.

Deswegen ist derjenige, der den Tag vor seiner Prüfung die Nacht durch lernt auf dem komplett falschen Weg unterwegs. Früher ins Bett gehen und sich das Pauken sparen wäre da klüger.

In derselben Studie kam außerdem heraus, dass sich die Lernquote massiv verbessert, wenn zwischen den Lernphasen ein kleiner Mittagsschlaf von ca. 30 Minuten eingehalten wird, zumindest wenn dieser erholsam und entspannt ist. So oder so: Während des Tiefschlafes macht unser Gehirn für äußere Reize so gut wie komplett dicht. Da kommt also schon mal kein neues Wissen durch.

Aber das ist kein ja kein Lernen, sondern ein Verarbeiten.

Das Fazit daraus ist also:
Lasst euch nicht abzocken, indem ihr euch teure Schlaf -Sprachkurse von dubiosen Seiten verkaufen lasst. Alle geprüften Studien,  sind sich einig, dass es nicht den versprochenen revolutionären Effekt haben wird.

Hörbücher zum passiven hören und eine Lernphase vor dem Einschlafen funktionieren hingegen schon. Auch ein kurzer Powernap zwischen den Lernphasen gleicht, durch die verstärkte Lernleistung, den Zeitverlust mehr als nur aus.

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